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Kurzgeschichte Part 2

Die Kathedrale der Bäume / Part 2

Falls ihr Teil 1 noch nicht gelesen habt findet ihr ihn hier Klick*


Die Bäume waren so dicht zusammen gewachsen das sie von aussen wie eine große grüne zusammenhängende Masse aussahen, tauchte man aber unter den tiefliegenden Ästen hinweg, in die Mitte zwischen den Bäumen ein,  kam man in eine ganz andere Welt. Es war fast ein bisschen wie Zauberei dachte Lizzy. Zwischen den verwobenen Ästen der Bäume, hatte sich in der Mitte ein Hohlraum gebildet. Lizzy vermutete das hier zu wenig Licht hin kam. Es sah aus wie eine dreieckige Halle, da die Bäume so groß waren hatte man das Gefühl man würde eine Kirche betreten. Nein keine Kirche, dachte Lizzy etwas größeres und schöneres, eine Kathedrale! Ja das passte. Die Geräusche hier drinnen schienen irgendwie gedämpft und leiser, man hörte nur das Rauschen der Blätter im Wind. Hin und wieder knackte ein Ast oder es viel einmal ein Blatt zu Boden. Überhaupt der Boden , es roch so gut nach Erde und Torf, würzig. Überall lagen braune abgefallene Blätter und Holzspäne. Es dämpfte die Schritte und federte bei jedem Schritt mit. Alles hier roch so gut. Alles hier war ihr mittlerweile so vertraut. 
Die Rinde der Bäume die hart und von Rissen durchzogen war , dunkelbraun mit einem leichten Grauschleier darauf. Wie ein rissiges Netz zog sie sich gleichmässig über die dicken Stämme. Sie waren so breit das Lizzy zwölf lange Schritte brauchte um sie zu umrunden. Auf der Wetterseite jedes Stammes zog sich giftgrünes Moos entlang. Lizzy hatte jedes mal wenn sie hier hin kam das Gefühl an einen heiligen Ort zu kommen. Es überkam sie jedes mal ein leichter Schauer sobald sie durch die Blätter ging. Sie strichen über ihr Haar und an ihren Wangen vorbei und fühlten sich dabei elastisch und kühl an, manchmal auch kratzig. Die Sonne schien durch das Blätterdach aber nur selten und bei einer starken Windböe bogen sich die Äste so, das Sonnenlicht wie Laserstrahlen hindurch schien und tanzende Muster auf den Erdboden malte. Lizzy legte sich gerne flach auf den Rücken genau in die Mitte zwischen den drei Bäumen und sah nach oben in das Blätterdach, beobachtete die schwankenden Äste und flatternden Blätter, sah den Stückchen vom Himmel zu, die sie ab und zu zwischen den Blättern sehen konnte. Es beruhigte ihren Kopf und ihre Gedanken drehten sich dann nicht mehr so schnell im Kreis. 
Als Lizzy heute in ihre Kathedrale kam ging sie direkt zum ersten Baum der ihr am nächsten war und legte die Hände mit der Handfläche flach dagegen. Sie spürte die rissige Rinde unter ihren Handflächen und das pelzige Moos. Sie drückte fester dagegen so das die Kanten der gezackten Rinde in ihre Handflächen piekte. „Verdammte Scheisse, wann hören die endlich auf?“ rief sie laut zu sich selbst. Ein Paar stille Tränen liefen ihr über die Wange. Immer noch mit den Händen am Baum hatte sie das Gefühl sie könnte spüren wie der Baum sein Wasser aus der Erde zog und es bis in die Spitzen nach oben transportierte. Es war ,als ob sie jede Faser des Baumes fühlen konnte bis in die kleinste Zelle im kleinsten Blatt. Es schien unter ihren Fingern zu pulsieren. 


„Plonk“, „AUA“ Lizzy rieb sich den Kopf, eine golfballgroße Kastanie war direkt auf ihrem Scheitel gelandet und der zauberhafte Moment, in dem sie sich eingebildet hatte die Bahnen des Baumes spüren zu können war vorbei. „Na toll jetzt seit ihr Bäume auch noch gegen mich, großartig.Das gibt auf jedenfall ne Beule“ Lizzy rieb sich den Kopf an der schmerzenden Stelle, drehte sich um und rutschte mit dem Rücken am Stamm hinab, zog die Knie an und legte den Kopf nach unten auf den Armen ab. Sie saß eine ganze Zeit lang so da nur mit den Rauschen der Bäume in ihren Ohren. Irgendwie war heute alles nicht richtig, sie fühlte sich beobachtet, aber als sie sich umsah sah sie nur grüne Blätter und braune Äste und Erde. Der Boden unter ihr schien Wärme abzugeben , vermutlich wegen dem Torf, ähnlich wie im Komposthaufen dachte Lizzy. „Na toll ich sitze im Kompost“ schniefte sie. Irgendwie war ihre Stimmung trotz ihres Lieblingsplatzes heute nicht besser. Das Geräusch der Blätter schien sich auch geändert zu haben, ein prasselndes Geräusch hatte sich in das Rauschen gemischt. Es hatte angefangen leicht zu regnen. „Mist, Mist, Mist verdammter“ gut das ihre Mutter sie nicht hören konnte, die hielt nämlich nichts davon das Lizzy oft und gerne Fluchte wie ein Brauereikutscher. Warum musste es ausgerechnet heute regnen eben war es doch noch schön. Während Lizzy unter dem Baum gesessen hatte musste es sich zugezogen haben ohne das sie es unter dem Blätterdach bemerkt hatte. Es kam auch kein bisschen Regen bis ins Innere durch. Der Boden in ihrer Baumkathedrale blieb noch komplett trocken. Nun hörte sie leises Donnergrollen in der Ferne, auch noch ein Gewitter, da schob ihre Mom immer Panik und knipste im ganzen Haus das Licht an. Sie machte sich jetzt besser auf den Weg nach Hause sonst würde sie gleich eine Standpauke bekommen , von wegen bei gefährlichem Wetter draussen rum treiben und so. Lizzy gab sich einen Ruck und stand in einer fliessenden Bewegung vom Boden auf. Es roch nun nach Sommerregen als sie unter den Blättern wieder hervor tauchte. Direkt fielen dicke Tropfen auf ihren Kopf und ihre Schultern und durchnässten ihr T-Shirt, zum Glück hatte sie heute morgen das blaue und nicht das weisse angezogen, sonst könnte ich jetzt beim Wet T-Shirt Contest mitmachen, dachte Lizzy. Also los, sie rannte so schnell wie sie konnte wieder über die Wiese zurück zum Haus. Regentropfen blieben wie kleine Perlen in ihren Wimpern hängen und das Gras quietschte unter ihren Füssen. Lizzy konzentrierte sich auf ihr Haus was sie vor sich sehen konnte. Was sie deswegen nicht sah, war das Paar dunkle Augen was ihr verdeckt vom Blätterwerk der drei Bäume folgte…

dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. All rights reserved by palomapixel

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