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Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben - Matt Haig





Depressionen, oder auch der "schwarze Hund" wie Churchill sie genannt hat, sind in der Öffentlichkeit ein Tabuthema. Spricht doch einmal jemand darüber, dann hat das ganze immer einen Hauch von Schicksal. Ach Gott der Arme. Zum Glück sind wir alle so glücklich. Depressionen kriegen nur die anderen. Psychische Erkrankungen im allgemeinen sind ein Stigma das sich selber niemand an tun möchte. Ausserdem ist es doch schrecklich "In", ein bisschen durchgeknallt und verrückt zu sein. So hipstermässig gut drauf, auffällig zu sein aber eben nicht wirklich verrückt.

Eine hohe Zahl an Depressiven begeht Selbstmord. Es erkranken zwar mehr Frauen als Männer aber mehr Männer bringen sich um. Das thematisiert auch Matt Haig in seinem Buch. Über Selbstmord möchte die Öffentlichkeit noch viel weniger reden. Oft wird es als persönliche Schwäche der Person angesehen. Ein nicht Betroffener kann sich einfach nicht vorstellen was Depressionen wirklich bedeuten und wohin sie einen Menschen treiben können. Es ist eben nicht mit aufmunternden Durchhalteparolen getan. Depression ist eine Erkrankung. Bei Krebspatienten käme niemand auf die Idee zu sagen : wird schon alles, Augen zu und durch, reiß dich mal zusammen.

Ist es die Angst vor der großen weiten Unbekannten Psyche, die uns vor Erkrankungen eben dieser so zurückschrecken lässt? Es ist so unsichtbar, eine erkrankte Psyche kann man eben nicht sehen und nicht in die Hand nehmen. Von jetzt auf gleich kann ohne Vorwarnung alles passieren. Es kann jeden treffen. Selbst der glücklichste Mensch auf Erden ist nicht immer nur glücklich. Jeder von uns kennt dunkle Tage. Wie aber muss ich es mir vorstellen, wenn diese Dunkelheit übermächtig und dauerhaft wird ? Wie sehen Depressive die Welt und warum fällt ihnen das Leben plötzlich so schwer ?

Matt Haig erklärt uns "Normalos" diese Welt aus seinen Erfahrungen heraus. Sie sind vielleicht nicht auf jeden Depressiven zu 100 % passend, da es eben unter 1000 Depressionen, 1000 verschiedene gibt. Aber zum ersten mal bekam ich beim lesen eine Ahnung davon, was es wirklich bedeutet depressiv zu sein. Wie es sich anfühlt und das es nicht mit einer allgemeinen Traurigkeit vergleichbar ist. Nach den ersten 20 Seiten musste ich eine Träne verdrückend feststellen, dass ich in meinem Leben zwar schon einmal traurig, aber definitiv noch nie depressiv war. Matt Haig findet so klare, ausdrucksstarke Worte für seine Gefühle. Sie reißen einen mit in eine Welt, die sonst verborgen von den Stirnen der Erkrankten ist. "Man kann den Menschen nur bis vor den Kopf gucken"

Das Buch ist ein bisschen Autobiografie, ein bisschen Philosophie und ein bisschen Ratgeber zusammen. Matt Haig erzählt nicht nur seine Krankheitsgeschichte, er beschreibt in wunderbaren Worten den Sturm der depressiven Gefühle in seinem Innern. Ein Genesungsprozess der über Jahre ging und bis heute noch anhält. Was ihm dabei geholfen hat. Besonders schön die eingeflochtenen Selbstgespräche zwischen seinem damaligen und seinem zukünftigen Ich. Denn damals glaubte er nicht an eine Zukunft, er glaubte daran das er tot sein würde. Er hatte nicht nur eine Depression, sondern dazu auch noch eine Angststörung. Das Buch macht auf wundersame Weise Mut, obwohl es doch so dunkle Themen behandelt. Es ist sein Manifest des Lebens und kann ein schlaues Buch, sowohl für Betroffenen als auch für Angehörige sein. Denn gerade den Angehörigen fällt es oft schwer sich wirklich in die Lage des Erkrankten zu versetzten. Hier hat Matt Haig uns diese Imagination abgenommen. Man muss nur das Buch lesen und wenn man auch nur einen Hauch von Empathie und Verständnis besitzt, wird man verstehen.

Das Buch ist nicht traurig. es ist auf seine Art witzig, manchmal ein bisschen sarkastisch und lebensbejahend. Es gibt Depressiven das Gefühl das sie nicht alleine sind und das die Schwärze irgendwann nicht mehr so schwarz sein wird.

Zum Buch, 303 Seiten erschienen im dtv Verlag ----> http://www.dtv.de/buecher/ziemlich_gute_gruende_am_leben_zu_bleiben_28071.html

Ich wünsche euch einen sonnigen Tag

Eure Paloma Pixel


dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.


Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben - Matt Haig

Kommentare

  1. Da ich selbst Betroffene bin, bin ich schon sehr gespannt, wie mir das Buch gefällt. Es steht momentan schon in meinem Regal und wartet auf seinen Einsatz :-)

    Liebste Grüße
    AnnaTeresa

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    1. Hallo Anna Teresa
      Schön das du hier her gefunden hast😊 mich würde dann ja sehr interessieren wie dir als Betroffene das Buch gefällt. Vielleicht magst du ja nochmal kommentieren wenn du es dann gelesen hast.

      LG

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