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Die Unglückseligen - Thea Dorn



Zwei Jahre soll Thea Dorn für " Die Unglückseligen" recherchiert haben. Nicht nur in den Bereichen Molekularbiologie, Physik und Altersforschung. Sie hat sich auch mit altdeutscher Schrift und Versform beschäftigt, denn sie hatte nicht den geringen Anspruch an sich selbst, den Faust neu zu erfinden. Es ist ihr in genialer Weise gelungen. Trotzdem braucht man als Leser einen langen Atem.

Johanna Mawet ist Molekularbiologin und verfolgt, fast schon fanatisch, in ihrer Forschung den Weg zum ewigen Leben. Für sie gibt es nichts schlimmeres als den Tod. Bei einer Forschungsreise in den USA stolpert ihr mehr durch Zufall ein ziemlich merkwürdiger, alterslos erscheinender Mann vor die Füße. Trotz aller Zweifel entpuppt sich dieser als der 1776 geborene Physiker Johann Wilhelm Ritter, der früher mit Goethe und Schiller auf du und du war. Johanna versucht hinter das Geheimnis seiner scheinbaren Unsterblichkeit zu kommen, um sie für ihre Forschungszwecke nutzbar zu machen und auch in erster Linie für sich selbst. Geht es mit rechten Dingen zu oder hat etwa doch der Teufel seine Finger mit im Spiel ?



Die Idee einen modernen Faust zu erschaffen finde ich gleicher Maßen genial wie schwierig. Denn die Idee ist nicht leicht um zu setzten aber verspricht eine imposante Mischung zu werden. Das Buch ist gespickt mit Überraschungen, wechselndem Tempo und sogar einer Art Flickenteppich aus Eindrücken, verschiedenen Schriftarten und Stilmitteln. Es wird abwechselnd aus Johannas und Ritters Sicht erzählt und immer wieder wird der Leser von einem dritten Erzähler, der das ganze von aussen betrachtet auf neue Sachen hingewiesen. Bis zum Schluss bleibt offen, um wen es sich dabei handelt. Alle medizinischen und physikalischen Themen sind geschichtlich, wie auch fachlich hervorragend dargestellt. Es ist ein kleiner Exkurs in die Geschichte der Physik und auch der Molekularbiologie, aber nicht so, dass man nicht verstehen würde worum es geht, kein als zu großes Fachchinesisch. Doch auch ein Hang zum Religiösen und Okkulten lässt sich nicht leugnen. Wer Goethes Faust schon einmal im Original gelesen hat der kommt auch prima mit diesem Buch zurecht. Wem das lesen in Versform aber überhaupt nicht liegt, wird sich mühsam durch das Buch quälen müssen, denn vieles ist in dieser altertümlich anmutenden Art und Weise geschrieben. Da Johann Wilhelm Ritter seiner alten Muttersprache treu geblieben ist, redet und denkt er auch dementsprechend. Alle Passagen aus Johannas Sicht sind dann in uns bekannterem Stil geschrieben. Minimale Englisch Kenntnisse für ein paar Sätze sind auch nicht schlecht.



Ich muss gestehen, dass die Protagonisten nicht wirklich Symphatie in mir wecken konnten. Ritter schon eher als Johanna. Je weiter die Geschichte fortschreitet, um so unsymphatischer wurde sie mir und er gefiel mir immer besser. Ich glaube aber das das nur konsequent ist. Im Buch geht es immer wieder um Gegensätze, um ein Ying und Yang das sich ergänzen muss, um ein Ganzes zu ergeben. Mit 551 Seiten ist das Buch nicht gerade dünn und bei etwa der Hälfte zog es sich doch sehr. Für mich hätte man so manches herum Irren von Johanna und Ritter auch abkürzen können. Es kostete mich ein bisschen Überwindung dran zu bleiben, eben auch weil es sich auf Dauer nicht flüssig runter lesen lässt. Ich musste längere Pausen machen, weil sich mein Hirn sonst in der Versform verknotet hätte. Manche Passagen musste ich mehrmals lesen, um auch den Sinn zu ergründen. Von manchen Textstellen habe ich ihn trotzdem nicht gefunden, was die Sprache aber nicht weniger schön machte. Das Buch ist ein wortgewaltiges Epos geworden. Hinter so manchem Vers steckt die Story dann aber zurück. Die Geschichte ist nur so nebenbei eingewoben und manchmal wusste ich nicht mehr, was hat das eine jetzt mit dem anderen zu tun ? Wo stehen wir denn gerade ? Ich muss gestehen , dass mich das Ende irgendwie ratlos zurück gelassen hat. Ich konnte Johannas Entscheidungen einfach nicht mehr nachvollziehen und es wurde dann doch ziemlich verrückt. Gut, auch das ist im Blick auf Faust nur logisch. Im Blick auf die Unsterblichkeit bietet das Buch jede Menge Nährboden zum Nachdenken und Diskutieren. Da hat es seine Mission für mich voll erfüllt, und das ohne aufdringlich ethisch zu sein. Die große Frage ist ja, würden wir unsere Seele für die Unsterblichkeit verkaufen ?


Wer sich mehr mit dieser Frage beschäftigen möchte , hier gehts zum Buch, Hardcover vom Knaus Verlag, 551 Seiten http://www.randomhouse.de/Buch/Die-Unglueckseligen/Thea-Dorn/e446553.rhd


Ich wünsche euch einen unvergesslichen Tag

Eure Paloma Pixel


dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.

Die Unglückseligen - Thea Dorn

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