Samstag, 14. Mai 2016

'Ich nannte ihn Krawatte' - Milena Michiko Flašar



Dies war das erste Buch, dass sich in der japanischen Kultur bewegt, dass ich je gelesen habe. Es war wie ein Rausch der schönen Worte. Ich hatte keine Erwartungen und habe mir vorher sogar bewusst nicht den Klappentext oder weitere Infos zu der Thematik angeschaut. Ich wollte mich überraschen lassen und wurde voll mitgerissen.

Im Buch sitzen zwei völlig unterschiedliche Männer auf einer Bank. Der eine jung der andere alt. Unterschiedlicher könnten die beiden nicht sein. Doch in einer Sache sind sie vereint, sie verweigern sich den Normen einer Gesellschaft, mit der sie nicht mehr zurecht kommen und doch ist es gerade ihr aufeinander Treffen, dass für Sie gegenseitig die Türen aufstößt und selbst hochgezogene Mauern einreißt. 


Die Geschichte berührt einen von der ersten Minute. Es gab so viele schöne Sätze, dass man das ganze Buch hätte mit Textmarker markieren müssen. Ich kenne mich nun überhaupt nicht aus mit Japan und kann deswegen auch keine Aussage darüber machen, wie realitätsnah die Beschreibung des Hikkikomori im Buch ist.

Hikkikomori werden in Japan, die meist jungen Leute genannt die mit dem Leistungs- und Anpassungsdruck der Gesellschaft nicht mehr zurecht kommen und sich oft über Jahre in ihr Zimmer einschließen und jeglichen Sozialkontakt vermeiden. Ich habe zwar ein bisschen weiter dazu gegoogelt auch um das Buch noch besser zu verstehen aber wirklich beurteilen kann ich es nicht.



Das ist auch für dieses Buch nicht wirklich wichtig denn es findet sich nicht nur die hoffnungsvolle Botschaft darin, dass man seine Depressionen, Ängste und Nöte überwinden kann. Sondern man kann auch Freundschaft an Orten finden, an denen man nicht damit rechnet und man kann sich selber wiederfinden, auch wenn man sich vermeintlich verloren hat. Die vielen kleinen Gesten die im Buch so hinreißend klar und schön beschrieben sind. Ein Philosophikurs auf 136 Seiten. Ein Protokoll der Mitmenschlichkeit. 

Als Leser erfährt man nicht nur die tragische Geschichte der beiden Männer, in der es Zeit zum mitleiden gibt. Man erfährt auch die Suche und die Hoffnung nach Freiheit und Liebe. Es ist ein sehr zartes Buch, fast schon zaghaft in seiner Sprache. Man muss diese poetische Sprache mögen. Es ist ein kurzweiliges Buch und schnell und gut zu lesen. Mich hat es daran erinnert das miteinander sprechen wichtig ist und ,wenn man es nicht tut, es zuviel zu bereuen gibt. Wer etwas wirklich anrührendes lesen will und sich dazu noch für Japan interessiert, kann hier auf eine besondere Art fündig werden. Ein Buch wie ein sanft fallendes Kirschblütenblatt. Die Bank mit den zwei Männern kann überall stehen. Diese Personen könnten wir sein.

Zm Buch 136 Seiten, erschienen beim Wagenbach Verlag als Hardcover https://www.wagenbach.de/buecher/titel/836-ich-nannte-ihn-krawatte.html

als Taschenbuch beim btb Verlag http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Ich-nannte-ihn-Krawatte/Milena-Michiko-Flasar/e420332.rhd

Zur ARD Buffet Leserunde, in der das Buch im Monat Mai gelesen wurde https://www.facebook.com/groups/206036319760473/
Ich wünsche Euch einen poetischen Tag

Eure Paloma Pixel




dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.

Kommentare:

  1. Ich empfehle dir "Kirschblüten und rote Bohnen" von Durian Sukegawa sowie "Hikikomori" von Kevin Kuhn. ^▼^

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