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Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen - Ulla Scheler



Jeder der das Meer und dramatische Geschichten lieb wird sich hier in vielen Sätzen wiederfinden können. Ulla Scheler erzählt die Geschichte von Ben und Hanna. Zwei Freunde die mehr sind als einfach nur gute Freunde und trotzdem nicht so richtig zueinander finden können. Ein aussergewöhnlicher Jugendroman, weicht er doch von den gängigen Klischees der üblichen Einheitsware in den Jugendbuchabteilungen ab. Leider nicht ganz ohne das ein oder andere unausgesprochen zu lassen, oder eine gewisse Vorhersehbarkeit an zu legen. Das fällt aber nicht ins Gewicht, denn es wird mit toll ausgearbeiteten Charakteren und einer stilvollen Sprache wieder wett gemacht.

Hanna und Ben sind beste Freunde seid Kindertagen, nun haben sie beide ihr Abitur in der Tasche und ihr gemeinsamer Lebensweg scheint sich bald zu trennen. Ben will nach Berlin und Hanna nach Regensburg. Ein letztes Mal begeben die beiden sich auf einen Trip ins Ungewisse und lassen sich den Geruch von Meer und Abenteuer um die Nase wehen. Ohne Plan und Ziel fahren sie mit Bens klapprigen, alten Auto los ans Meer. Als sie endlich eine gute Stelle für ihr Zelt gefunden haben, erfahren sie von einer sagenumwobenen Legende am Strand. Hanna kommt Ben sehr nahe auf diesem Trip und hofft endlich hinter seine dunklen Geheimnisse zu kommen, die ihn so unnahbar machen, doch dann passiert etwas schreckliches.



Klingt nicht nur spannend, war es auch. Wobei der Klappentext fast schon zuviel verrät und man die ganze Zeit auf dieses schreckliche Ereignis wartet. Das ist nicht geschickt gelöst, nimmt es doch zuviel vorne weg. Ben und Hanna sind tolle Charaktere und auch die Nebencharaktere im Buch sind toll gelungen. Hanna ist allerdings etwas zu naiv und beeinflussbar für meinen Geschmack, denn Ben scheint ein charismatischer Kerl zu sein der seine Wirkung schamlos ausnutzt. Sie verzeiht ihm eine ganze Menge, die ich niemals verzeihen würde. Deswegen wurde ich mit Ben auch überhaupt nicht warm. Dafür das die beiden so lange und gute Freunde sind, ist ihre Beziehung doch sehr distanziert. Hanna scheint mir mehr zu geben als Ben bereit ist an zu nehmen und zwischen den beiden findet nie ein klärendes Gespräch statt, dass auch nur den Hauch von echter Freundschaft durchschimmern lässt. Das frustrierte mich. Ben war wie ein Meteor der auf die Erde zuraste und Hanna himmelte in seiner Umlaufbahn herum, bis sie mit ihm verglühen würde. Zumindest kam mir das so vor und das erinnerte mich daran, wie Freundschaften nicht sein sollten. Das spiegelt allerdings die Realität vieler ungleicher Freundschaften in der Jugendzeit wieder. Jeder von uns hatte bestimmt mal so einen Freund. Das einzige was mir wirklich gut an Ben gefallen hat, waren die Geschichten die er erzählte und die eine weitere Ebene ins Buch brachten. Das hatte etwas von Lagerfeuerromantik und zeigte aber auch wie verloren er eigentlich wirkte.

Das Buch wirft immer wieder mehr Fragen auf, als das es Antworten liefert. Die Handlung ist oft einfach nur verrückt, unkontrolliert, wild, verworren aber auch gefühlsbetont, schnelllebig, mitreißend und traurig. Stück für Stück erfährt man Puzzleteile von Bens dunkler Vergangenheit und versucht mit Hanna Licht ins Dunkel zu bringen, dass eigentlich immer dunkler wird. Die Freundschaft der beiden beruht darauf das sie sich gegenseitig verzweifelt brauchen. Keiner von beiden will in die Mittelmässigkeit abrutschen. Erwachsen werden und seine Träume verlieren. Übrigens etwas vor dem viele Angst haben. Hanna ist ein Anker für Bens traurige Welt und Ben ist die Freiheit und Spontanität die Hanna ohne ihn niemals in sich finden würde. Insofern ist die Geschichte genial konstruiert, auch wenn es mich beim lesen oft frustrierte. Ich bin eben ein ganz anderer Charakter. Jemand anderes findet sich vielleicht wieder. Es werden wichtige und ernste Themen im Buch angesprochen, was mir gut gefallen hat. Schade nur das diese dann nicht weiter besprochen oder gar gelöst werden. Das ganze bleibt als Ahnung in der Luft hängen, die für mich hätte weiter thematisiert werden müssen. Doch gerade durch den Aufbau reisst einen das Buch mit und wirft unsere Gefühle, wie das aufschäumende Meer hin und her, vor und zurück. Tragisch und schön zugleich. Dramatisch aber auch so frei. Besonders die fast schon poetische Sprach der jungen Autorin hat mich dann überrascht und beeindruckt. Kein perfektes Buch aber eine perfekte Leseempfehlung !

Zum Buch erschienen bei Heyne , Paperback, 368 Seiten : https://www.randomhouse.de/Paperback/Es-ist-gefaehrlich,-bei-Sturm-zu-schwimmen/Ulla-Scheler/Heyne-fliegt/e487065.rhd

Ich wünsche euch einen aufschäumenden Tag

Eure Paloma Pixel



dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechte liegen beim Verlag.
Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen - Ulla Scheler

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