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Gastbeitrag von Autorin Tanja Hanika : Gruselbuchzeit Herbst: Warum tun sich Leser das selbst an ?



Es gibt viele Leser, die machen einen weiten Bogen um die Bücherregale, in denen Horrorromane angeboten werden. Sie fragen sich, wie man solches Zeug freiwillig lesen kann, warum man seine Zeit mit Abartigkeiten und Angst verbringen sollte.

Nervenkitzel und Spannung sind hier keine ausreichende Antwort, denn das bieten auch die neben Liebesromanen am häufigsten gelesenen Genres Thriller und Krimis.

Daher möchte ich etwas weiter ausholen.


Stephen King, der aktuell wohl bekannteste Horrorautor überhaupt, nennt in seinem Buch »Danse Macabre« drei Hauptgründe, weswegen Menschen sich den Schrecken auf das heimische Sofa holen:
Damit die Hürden im eigenen Alltag nicht mehr so hoch erscheinen, suchen Horrorleser Zuflucht in Gruselliteratur. (S. XIII)

  1. Durch die literarisch erlebten Schrecken glauben Leser sich ein bisschen für die Realität abzuhärten und vorzubereiten. Gemeinsam mit den Protagonisten können sie auf die Gräuel zurückblicken, die sie bereits gemeinsam überstanden haben. (S. 33) Ähnlich funktionierten die antiken Dramen, deren Absicht eine Katharsis war. Auch sie sollte die Seelen der Zuschauer reinigen.
  2. Im Zuge dessen kann der Leser Emotionen miterleben, die gesellschaftlich verpönt sind. Wie bei Horrorfilmen auch, sind sie dazu eingeladen, sich ein abartiges, asoziales Benehmen durch Stellvertreter [die Figuren] zu genehmigen, unnötiger Gewalt oder Machtfantasien zu frönen und den größten Ängsten nachzugeben. (S. 33)
  3. Am Ende aber, und das betont King, wird in den meisten Horrorromanen ein starker Moralkodex offensichtlich, wenn das Gute über das Böse siegt oder der Schurke eine Strafe erhält. Horrorromane sind also kein schmutziges Geschäft mit Tod, Hass und Gewalt. (S. 421 f.)

Es ist also wie bei Sportarten mit Adrenalinkick: Man springt mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug, weil man es kann. Es macht Spaß und bietet Nervenkitzel abseits vom Alltäglichen. Man spürt, wie lebendig man ist. Und das fühlt man auch, wenn den Romanfiguren das Leben genommen wird oder sie eben darum kämpfen müssen. Die Verzweiflung und wie sehr sie darum kämpfen, zeigt, wie wertvoll unser aller Leben ist. Man sollte viel öfter innehalten und es wertschätzen, als Anstoß dazu könnte ein Horrorbuch dienen.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es einige Horrorleser gibt, die durch nichts (mehr) zu schrecken sind. Dennoch lesen sie gerne Horror. Warum? Aufgrund der einzigartigen Atmosphäre in diesen Büchern. Allein die Schauplätze der Handlung, ob nächtlicher Friedhof, Spukhaus oder ganz alltäglicher Ort, in den das Böse eindringt, Nebel, Gewitter und Stürme verheißen Abenteuer. Jemand oder etwas lauert in den Schatten, der Protagonist und der Leser hören verdächtige Geräusche. Zunächst bleibt der Schrecken meist geheimnisvoll, bis er dann Protagonist und Leser mit sich reißt.

Was an Horrorromanen besonders fesselt, ist, dass es um alles geht. Es geht um Leben und Tod. Während in einem Krimi die Figur sein Lebens bereits verloren hat, kann die Figur in einem Horrorroman es möglicherweise noch retten, über sich selbst hinauswachsen und vielleicht sogar den Bösewicht oder das Böse besiegen. Sie selbst kann gewinnen und nicht nur ein Ermittler als Stellvertreter. Außerdem haben viele Horrorromane neben spannender Handlung und lebendigen Figuren gruselige Twists aufzuweisen. Es geht also um viel mehr als um Mord und Totschlag, manch ein Horrorroman ist ein kleines düsteres Kunstwerk, das einem die Zeit auf angenehme Weise vertreibt.

Bist du dir sicher, dass du nichts verpasst? Vielleicht möchtest du es ja doch wagen, es dir in der dunklen Jahreszeit  mit einem Tee und einem Gruselbuch auf dem Sofa gemütlich zu machen. Im geborgenen Zuhause ist ein Gänsehautschauer angenehmer, als man vermuten würde.

Hier für alle Fälle ein paar Buchtips:


Richard Laymon »Das Spiel« zum Buch : https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Das-Spiel
Dean Koontz »Die zweite Haut« zum Buch : https://www.lovelybooks.de/autor/Dean-Koontz
Stephen King »Brennen muss Salem « zum Buch : https://www.randomhouse.de/Paperback
Josh Malerman »Bird Box « zur tollen Rezension von Brösels Bücherregal zu diesem Buch https://www.broesels-buecherregal.de/2015/03/bird-box-schliesse-deine-augen-rezension-josh-malerman/
Simon Beckett »Voyeur« zum Buch : https://www.rowohlt.de/taschenbuch/simon-beckett-voyeur
Und zuletzt auch einer meiner Horrorromane: Tanja Hanika  »Zwietracht – Mörderische Freundschaft« zum Buch : https://smile.amazon.de/Zwietracht-Mörderische-Freundschaft-Tanja-Hanika




Autorenvorstellung:
Tanja Hanika ist Autorin von Horror- und Schauerromanen und Verfasserin vom »Arbeitsbuch für Schriftsteller«. Geboren wurde sie 1988 in Speyer, studierte in Trier Germanistik und zog anschließend in die schaurig-schöne Eifel, wo sie mit Mann, Sohn und zwei Katzen lebt. Seit sie mit acht Jahren eine »Dracula«-Ausgabe für Kinder in die Hände bekam, liebt und schreibt sie Gruselgeschichten.


https://www.facebook.com/tanjahanika



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