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Gastbeitrag, Autorin Tanja Hanika : Von Selbstzweifelmonstern und wie man eine Schreibblockade blockiert. Ein Autorengeheimnis.



Die meisten Leser wälzen ein Buch nach dem anderen. Mal beenden sie es mit Begeisterung, mal mit Enttäuschung, und oft mit einem Gefühl dazwischen. Was den meisten Lesern vielleicht gar nicht bewusst ist, ist welcher Kampf hinter jedem einzelnen Buch steckt. Nicht nur der Kampf mit Lektoren und Verlagen oder der Wettbewerb mit der gesamten Branche. Autoren haben auch mit sich selbst zu kämpfen. Warum? Lies selbst.


Will eigentlich jemand die Romane lesen, die ich schreibe? Bin ich überhaupt gut genug? Schlau genug? Warum sollte irgendjemand interessieren, was mein Kopf sich da zusammenspinnt?
Ich behaupte, dass es nicht einen Autor auf der Welt gibt, der sich nicht mindestens eine dieser Fragen bereits gestellt hat. Wenn nicht sogar alle.

Hin und wieder kommen kleine Monster angeschlichen, die sich Selbstzweifel nennen, und schlagen uns ihre gelben, faulen Zähne ins Fleisch. Vergiften uns Autoren und unsere Schreibe. Statt Worte zu finden und Texte zu verfassen, grübeln wir, ob wir überhaupt das tun dürfen / sollen / können, was wir so lieben.

Eine Geschichte aufzuschreiben, das ist wie das Wort zu finden, das einem auf der sprichwörtlichen Zunge liegt. Diese Erleichterung gleicht der Zufriedenheit, einen guten Satz zu verfassen oder Figuren zu erschaffen und ihnen dabei zuzuschauen wie sie sich entwickeln. Man schließt mit ihnen Freundschaft, meist selbst mit den übelsten Antagonisten, da man sie so gut kennt wie den Ehepartner oder die beste Freundin. Man taucht ab in die Handlung, findet sich in einer anderen Welt. Man kann sich austoben und alles erleben, wovon man je geträumt hat. Der Klang der Sprache ist Musik und jedes Bild im Kopf wie ein farbenprächtiges Gemälde.

Dann aber kommen diese fiesen Monster, die sich Selbstzweifel nennen, und nagen an uns, dass wir uns manchmal am liebsten vor Schmerzen krümmen und winden würden. Es dauert nicht lange und wir stecken in einer tiefen Schreibblockade, aus wir kaum mehr herausfinden.

Aber Halt!
Es gibt ein paar Tricks, die verhindern können, dass uns diese Biester plagen und womöglich in die Knie zwingen.
So blockiert man eine Schreibblockade:

1. An einer guten Stelle aufhören.
Also für eine Pause oder den Feierabend eine Stelle auswählen, an der es einem leicht fallen wird, weiterzuschreiben. Man weiß genau, was als nächstes kommt, daher wird zum späteren Zeitpunkt auch der Wiedereinstieg gelingen.

2. Zwang!
Manchmal genügt es schon, wenn man sich zehn Minuten dazu zwingt, am Text weiterzuschreiben. Man wird in die Geschichte hineingesaugt, die einem am Herzen liegt. Manchmal klappt es so, die Schreibblockade zu vergessen, und ehe man es sich versieht, tippt man munter Zeile um Zeile.

3. Neues Dokument, damit man nichts verdirbt.
Die Selbstzweifel fressen sich die Bäuche an uns voll. Man möchte die Geschichte nicht verderben, die man sich bisher so mühselig ausgedacht hat. Es hilft, den letzten Absatz zu kopieren und in ein neues Dokument einzufügen. Dort kann man munter weiterschreiben, denn sollte der entstandene Text nicht des restlichen Romans würdig sein, ist er ganz einfach zu löschen. Wäre er natürlich auch im Ursprungsdokument, aber so ist man ungehemmter und das Löschen tut irgendwie nicht so weh. ;-)

4. Verzicht auf Chronologie.
Ein Kniff kann darin bestehen, eine schwierige Szene auf nachher zu verschieben und an einer Stelle weiterzuschreiben, auf die man sich schon lange freut.

5. Das richtige Feeling.
Manchmal genügt es auch, eine schöne Schreibatmosphäre zu schaffen, in der wir richtig Lust bekommen, weiterzuschreiben. Ein bisschen inspirierende Musik, ein Ort, an dem wir uns wohlfühlen oder eine duftende Tasse Tee können da einiges anstoßen. Oder man betrachtet die Projekte, die man bereits erfolgreich abgeschlossen hat, um sich zu motivieren, es wieder zu schaffen.

6. Bewegung.
Die wenigsten Autoren sind heutzutage noch überzeugte Stubenhocker. Wenn man mit einem Problem im Kopf draußen losmarschiert und von keinen Alltagsaufgaben abgelenkt ist, dann stolpert man draußen in der „Wildnis“ über so manche Lösung, die einem zuhause nicht eingefallen wäre.

7. Schreibübungen
Ist man bereits in die Fallstricke einer Schreibblockade geraten, kann man Abhilfe schaffen, indem man sich mit kleinen Schreibübungen selbst vor Augen führt, dass man durchaus dazu fähig ist, zu schreiben. Dazu kann man sich ein Lieblingszitat, eine schöne Gedichtpassage oder ein Bild nehmen und einen kurzen Text dazu schreiben.


Liebe Autoren, lassen wir das Selbstzweifelmonster nicht so viel an uns nagen bis nur noch das Skelett der Schreibblockade übrig bleibt! Wir schicken sie mit ihren faulen Zähnen nicht zum Zahnarzt, nähren sie nicht und lassen sie nicht an uns herankommen. Wir sperren sie in einen Keller, bis ihnen ihr modriges Gebiss aus dem Maul fällt. Immer unermüdlich am Ball bleiben und schreiben. Überarbeiten, streichen und neuschreiben kann man das, was man verfasst hat, auch noch hinterher. Aber das, was man sich nicht traut zu schreiben, ist für immer verloren.

Also, liebe Leser, das Autorenleben ist nicht immer eitel Sonnenschein, darum seid auch gerne manchmal lieb zu uns und beißt uns nicht. Wir werden auch so schon viel zu oft gebissen.


Kurze Autorenvorstellung:
Tanja Hanika ist Autorin von Horror- und Schauerromanen und Verfasserin vom »Arbeitsbuch für Schriftsteller«. Geboren wurde sie 1988 in Speyer, studierte Germanistik in Trier und zog anschließend in die schaurig-schöne Eifel, wo sie mit Mann, Sohn und zwei Katzen lebt. Seit sie mit acht Jahren eine "Dracula"-Ausgabe für Kinder in die Hände bekam, schreibt sie Gruselgeschichten.






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