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Graphic Novel "Der nasse Fisch" - Arne Jysch / Volker Kutscher



Die graphische Adaption von Volker Kutschers gleichnamigen Polizeiroman faszinierte mich mehr wie der Roman selbst, eben weil es ein Krimi ist. Wie man das graphisch gut umsetzten kann interessierte mich brennend.

Im "nassen Fisch" wird uns ein bisschen Lebensgeschichte von Kommissar Gereon Rath erzählt, der aus unglücklichen oder vielleicht auch glücklichen ? Umständen zur Sitte ( Sexualdelikte ) nach Berlin versetzt wird. Sein eigentliches Interesse liegt aber bei der Mordkommission und wie der Zufall so will, taucht auch bald ein Toter auf, der der Berliner Polizei Rätsel aufgibt, nur Gereon der liegt eine Nasenspitze vorne. Doch wer seine Nase zu tief in andere Angelegenheiten steckt der kommt meist nicht unbeschadet wieder heraus.
Ein Kimi als Graphic Novel - funktioniert das ?


Ich bin sehr kritisch bei Graphik Novels oder Comics, da hier die Ebene der Zeichnungen eine große Rolle für mich spielt. Die Geschichte wird damit ja noch einmal auf eine ganz andere Art erzählt und die muss eben besonders stimmig sein. Ich habe das Original von Volker Kutscher nicht gelesen, kann also da keinen Vergleich ziehen, man sehe mir das bitte nach. Meine Erörterung bezieht sich also ausschliesslich auf die Adaption.

Was sie perfekt hin bekommt ist den Glamour der zwanziger Jahre mit den Unruhen der Weimarer Republik zu verbinden und dar zu stellen. Das war eine turbulente und gleichzeitig blutige Zeit. Historisch gesehen ist alles hervorragend recherchiert und korrekt dargestellt. Schön finde ich das reale Personen der Zeit mit eingebaut worden sind. So ist der "echte" Chef der Mordkommission wie auch in der Geschichte der legendäre Kommissar Gennat, der maßgeblich die Ermittlungsmethoden von Mordkommissionen prägte und den es bei der Berliner Polizei wirklich gegeben hat. Er setzte den Startschuss für moderne Polizeiarbeit.
Zwanziger Jahre Glamour und blutige Unruhen der Weimarer Republik
Die Geschichte erinnert an die Hard Boiled Schule, Gereon Rath ist ein bisschen wie Humphrey Bogart gezeichnet und auch ein Marlowe wurde mit eingebaut. Damit wird auch hier allen gängigen Typen des harten Ermittlers, dem das Leben übel mitgespielt hat genüge getan. Ist schon ein Klischee, aber ein Gutes das einfach wie die Faust aufs Auge passt. Alles andere wäre unauthentisch gewesen.

Besonders auffallend auch die selbstbewussten und eigenständigen Frauen, die sich von den Männern nicht klein reden lassen und ihren Weg gehen. Sex nach Wahl mit inbegriffen. In der Novel kamen mir die Frauen fast schon emanzipierter vor als heute, wobei auch hier Szenen sind in denen sich Männern von einer weiblichen und kompetenten Ermittlerin anscheinend bedroht fühlen, obwohl sie das gar nicht müssten.
Ein Kommissar mit dunkelgrauer Weste
Gereon Rath scheint zuvor ein enthusiastischer Grünschnabel gewesen zu sein, bis er den falschen Leuten auf die Füsse trat und nun als Sündenbock strafversetzt wurde. Frei nach dem Motto ist der Ruf erst ruiniert, lebts sich gänzlich ungeniert, wird seine weiße Weste zusehens dreckig. Nicht immer selbst verschuldet, aber er wirkt nicht sauberer als die Verbrecher die er jagt. Mit seinen Handlungen war ich nicht immer einverstanden.

Polizeikorruption und interne Ermittlungen, dubiose Verbindungen mit Hauswirtinnen und Mafiosi, als auch falsche Freunde machen ihm das Leben schwer. Aus Freund wird Feind und aus Feind wird Freund und das die Geschichte so ausgeht wie sie ausgeht ... nun das zeigt uns, dass sich bis heute an Macht und Politik nichts geändert hat. Perfekt wird hier der eine gegen den anderen ausgespielt und Gereon Rath hat mehr Glück als Verstand. Eine sehr eindeutig verlaufende Story, man ahnt quasi schon was passieren wird. Ein Psychothriller ist das nicht, will es ja aber auch gar nicht sein.

Die Geschichte ist spannend umgesetzt, hat ein paar Überraschungen parat und auf Grund der wilden zwanziger Jahre eine ganz eigene Atmosphäre. Da ich gerne auch Hard Boiled lese, war der Krimi für mich genau richtig. Da Volker Kutscher eine ganze Reihe mit Kommissar Gereon Rath, mit bisher 5 Romanen geschrieben hat überlege ich jetzt in diese Reihe weiter einzutauchen.
Detailgetreues schwarz-weiß-grau
Die Graphic Novel kann mit einem ziemlich detailgetreuen schwarz-weiß Zeichenstil Punkten, in den leichte Grautöne fließen. Zu einem Krimi passt das dunkle sehr gut. Die Regenszenen empfinde ich als besonders gelungen. Sexszenen sind graphisch nicht ausgespart worden. Man sollte sich also für die Kids im Comicregal nicht aus Versehen vergreifen. Gewaltszenen empfinde ich als zurückhaltend gezeichnet, schön sind die modischen Details der Kleidung, Autos oder Architektur der Zwanziger. Die Mimik der Figuren ist gut ausgeprägt.

Witzig das einige der Charaktere mit Berliner Schnauze sprechen, da musste ich schon schmunzeln, vor allem weil ein gewisser Herr Rath von Köln nach Berlin zieht und der ein oder andere Witz dazu gemacht wird. Auf jeden Fall werden die Figuren dadurch noch authentischer. Mir hat die Geschichte und auch die Zeichenart sehr gefallen und mich gut unterhalten.

c Carlsen
Wer schon einmal in die Serie "Babylon Berlin" herein geschaut hat, dem wird das vermutlich alles bekannt vor kommen. Volker Kutschers Geschichte war Vorlage dafür.

Ich wünsche euch einen spannenden Tag

Eure Paloma Pixel

"Der nasse Fisch" Graphic Novel, erschienen bei Carlsen
Arne Jysch / Volker Kutscher
gebundenes Hardcover, 208 Seiten



dieser Text enthält meine eigenen Gedanken und für die kann man nicht Haftbar gemacht werden, diese dürfen auch nicht ohne meine Zustimmung weiter veröffentlicht werden , Fotos wurden von mir selbst geschossen und dürfen auch nicht weiter veröffentlicht werden. Coverrechten liegen beim Verlag.

Graphic Novel "Der nasse Fisch" -  Arne Jysch / Volker Kutscher

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